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So 25–11–18

Martin Kohlstedt

257qm Konzert

Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr
Eintritt 20 EURO (VVK zzgl. Gebühren)

Laut und Leise Spezial

Unmittelbar tastet sich Martin Kohlstedt in den Körper aus Holz, Filzhämmern und Stahlsaiten vor. Der junge Komponist aus dem Thüringer Eichsfeld belässt es aber nicht bei einem anonymen Fingerspiel, sondern öffnet sich unaufhörlich mit jeder Bewegung und jedem Anschlag. Jenseits von deutungsschwerer Klassik oder konstruiertem Pathos wird sich hier am unbeständig Persönlichen versucht. Auch wagt der junge Komponist, Gespräche zu provozieren, deren Grenzen nie fest stehen dürfen. Mit dem Klavier formt er soghaft erste Ideen. Doch wenn Raum und Gegenüber es verlangen, dann schweigt er durchaus auch abrupt oder elektrisiert einem klirrend und bassend das Hirn.

Wenn Martin Kohlstedt diesen Herbst seine nächste große Tour beginnt, dann hat er nicht nur sein lang erwartetes, neues Album im stetig schwerer werdenden Gepäck. „Neu“ ist für Martin Kohlstedt jedoch ohnehin ein überholtes Konzept – seine Musik verliert im Konzertsaal modische Kontexte und existiert nur noch im elektrisierenden, immer fließenden Jetzt. Improvisation und Spielfreude sind die für Fans inzwischen vertrauten Grundpfeiler von Kohlstedts so betitelten „modularen Kompositionen“.

Die kommenden Stücke werden daran zum Glück nichts ändern, nur unerprobte Bausteine mit auf den zu pflasternden Weg geben. Das klingt nach Arbeit und ist es auch. Zwischen rasenden Klavierschlägen und reißenden Synthieflächen ist das Publikum mit gefordert, denn Kohlstedt präsentiert keinen in Klassik und Jazz gekleideten Pop, sondern anspruchsvolle Rituale des Kontemplierens, der Extase oder – sogar das ist möglich – des Scheiterns. Eingängige Melodien und der Blick für die Schönheit im Einfachen gehen dennoch nicht verloren, schließlich zieht er aus voller Überzeugung seinen Bauch dem Kopf vor. Nur eines steht deswegen jetzt schon fest: Martin Kohlstedts Reisesack ist eben ziemlich voll.

Foto: J. Konrad Schmidt

Einlass ab 18 Jahren